Gemeindechronik

1992: Mit dem Rückzug der US-Army enden die (nicht-orthodoxen) jüdischen Gottesdienste in der „chaplaincy“, die in der McGraw-Kaserne in München und später in Augsburg auch für externe Besucher offen standen. Durch eine Anzeige von Susan und Georg Stein in dem Blatt Munich Found finden überwiegend englischsprachige Jüdinnen und Juden zusammen, die als „Munich Jewish Community Group“ auch eine Sunday School für den Religionsunterricht ihrer Kinder starten.

1994: Die von der Familie Stein energisch organisierte Gruppe gibt den Aktivitäten einen immer festeren Rahmen: Jeden zweiten Sonntag findet die Sunday School in einem Kindergarten in Trudering statt, einmal im Monat ein egalitärer Kabbalat-Schabbat-Gottesdienst in der Mohrvilla, einem städtischen Familienzentrum in Freimann.

September 1994: Die Gruppe feiert unter Leitung von Rabbiner Allen Podet (USA) Gottesdienste zu den Hohen Feiertagen in der Mohrvilla.

Januar 1995: Bei einem Treffen im Hotel Eden Wolf werden Weichen für die Gründung einer liberalen jüdischen Gemeinde in München gestellt und der Name Beth Shalom gewählt.

17. März 1995: Im Münchner Restaurant Maon werden informell sieben Personen bestimmt, die als Gründungsmitglieder den Verein „Liberale jüdische Gemeinde München Beth Shalom (Haus des Friedens)“ etablieren.

26. März 1995: In München treffen sich liberale jüdische Gruppen und Gemeinden aus Wien, Zürich, München, Heidelberg und Oldenburg mit Rabbi Clifford Kulwin, Direktor für internationale Entwicklung der World Union for progressive Judaism (WUPJ), und WUPJ-Vorstandsmitglied Leslie Bergman.

Sommer 1995: Tagung „Erneuerung des jüdischen Lebens in Deutschland“ in Arnoldshain bringt liberale Juden aus ganz Deutschland zusammen.

September 1995: Die Eintragung von Beth Shalom beim Amtsgericht München wird vollzogen, die Gemeinde hat rund 90 Mitglieder. Hohe Feiertage werden mit Rabbiner Allen S. Kaplan (USA) in der Mohrvilla begangen.

3. bis 6. November 1995: Erste Tagung der WUPJ für progressive jüdische Gemeinden im deutschsprachigen Raum bei Or Chadasch in Wien mit den Rabbinern Dr. Walter Jacob (Pittsburgh), Ernst Stein (Berlin), Tovia Ben-Chorin (Jerusalem) und Jonathan Magonet (London).

November 1996: Professor Dr. theol. h.c. Schalom Ben-Chorin (Jerusalem), als Fritz Rosenthal in München geboren, nimmt die Ehrenmitgliedschaft von Beth Shalom an. Die Mitgliederversammlung stimmt dem Beitritt von Beth Shalom zur WUPJ zu.

April 1996: Beth Shalom feiert Seder mit Rabbinerstudentin Ariela Friedlander (New York). Das Angebot einer vorerst auf zwei Jahre befristeten Teilzeitstelle als Gemeinderabbinerin nimmt Friedlander letztlich nicht an.

Sommer 1996: Gesa Bruns (inzwischen Rabbinerin Gesa Ederberg), eine Doktorandin der Judaistik aus Berlin, übernimmt als die erste bezahlte Mitarbeiterin der Gemeinde die Leitung des Religionsunterrichts.

September 1996: Hohe Feiertage mit Rabbi Moshe Zemer (Tel Aviv) in der Herzog-Heinrich-Straße. Die Räume stellt die Integrierte Gemeinde zur Mitbenutzung zur Verfügung. Beth Shalom kann erstmals eine eigene Torarolle nutzen, die auf Vermittlung durch Rabbiner Dr. Walter Jacob, der als Sohn des liberalen Rabbiners in Augsburg geboren wurde, die Gemeinde Rodef Shalom aus Pittsburgh als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt hat.

November 1996: Im Rahmen eines Symposiums zum 40. Todestag von Rabbiner Leo Back, das Beth Shalom in Zusammenarbeit mit der Literaturhandlung München und mit Unterstützung des Bertelsmann-Verlags in der Hochschule für Musik veranstaltet, wird in einem Schabbat-Festgottesdienst Rabbiner Dr. Walter Jacob in das Amt eines ehrenamtlichen Oberrabbiners von Beth Shalom eingeführt. Zu dem Gottesdienst wird ein hebräisch-deutsch-englisches Gebetbuch publiziert.

19. April 1997: Erste Bat Mizwa bei Beth Shalom.

27. Juni 1997: Feierlicher Gottesdienst zur Gründung der Union progressiver Juden in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie zur Einführung von Rabbiner Dr. Walter Homolka in die Gemeinde Beth Shalom.

30. Oktober 1997: Einweihung des Gräberfeldes 477b des Waldfriedhofs als jüdische Begräbnisstätte durch Oberrabbiner Dr. Walter Jacob, Rabbiner Dr. Walter Homolka und Kantorin Isabella Ganz.

30. Oktober bis 2. November 1997: Europatagung der WUPJ im Literaturhaus mit Schabbat-Gottesdiensten und einem Konzert mit Herman Berlinski in der Hochschule für Musik.

1998: Nach Umzug von Rabbiner Dr. Walter Homolka nach Hamburg wird Beth Shalom durch Rabbinerstudent James Baaden (London) betreut, der einmal im Monat für ein Wochenende kommt.

April 1998: Seder mit Rabbiner Harry Jacoby (London)

Oktober 1998: Rabbiner Drs. Edward van Voolen (Amsterdam) übernimmt in Teilzeit (zwei Wochenenden im Monat und jüdische Feiertage) die Betreuung von Beth Shalom.

1999: Wegen eines Umbaus der Räume in der Herzog-Heinrich-Straße finden Gottesdienste von Beth Shalom vorübergehend im Günter-Stöhr-Gymnasium in Solln statt.

11. Juli 1999: Erste Chuppa (jüdische Hochzeit) bei Beth Shalom.

15. und 16. Oktober 1999: Anlässlich der Veröffentlichung der deutschen Übersetzung des Tora-Kommentars von Rabbiner W. Gunther Plaut (Toronto) und zur Amtseinführung von Rabbiner Edward van Voolen findet in München die Tagung „Die Tora in jüdischer Auslegung“ statt, mit der auch die Gründung des Rabbinerseminars Abraham-Geiger-Kolleg (Potsdam) gefeiert wird.

März 2000: Beth Shalom kann wieder die renovierten Räume in der Herzog-Heinrich-Straße mitbenutzen.

Oktober 2001: Rabbiner Walter Rothschild (Berlin) wird in Nachfolge von Rabbiner Edward van Voolen hauptamtlicher Teilzeitrabbiner (zwei Wochenenden im Monat und jüdische Feiertage) von Beth Shalom.

Dezember 2002: Jung und Jüdisch Deutschland, ein 2001 gegründeter Zusammenschluss junger jüdischer Erwachsener, trifft sich zum Wochenendseminar bei Beth Shalom in München.

1. Mai 2003: Beth Shalom bezieht erstmals eigene (gemietete) Räume in der Isartalstraße.

Dezember 2003: Kunstauktion zugunsten von Beth Shalom in den Räumen der E.ON Energie in München.

Sommer 2004: Ein Parochet (Toravorhang) aus der von Münchner Flüchtlingen 1939 in New York gegründeten Synagoge Beth Hillel, gestiftet zu Ehre von Jenny Baerwald, der Ehefrau des früheren Münchner Oberrabbiners Leo Baerwald, taucht auf einem Berliner Flohmarkt auf. Rabbiner Rothschild kauft den Parochet und stellt ihn Beth Shalom als Dauerleihgabe zur Verfügung.

9. November 2004: Feierliche Übergabe der in der Schoa geretteten „Kleiner Sefer Tora“, die der gebürtige Augsburger Martin Oettinger als US-Soldat 1945 mit nach New York brachte und die sein Enkel Rick Landman Beth Shalom zur Verfügung gestellt hat.

30. November 2004: Gründung von „Chaverim“, des Freundeskreises zur Unterstützung des liberalen Judentums in München, in dem sich Münchner Bürger für Beth Shalom engagieren.

Frühjahr 2005: Rabbinerstudent Tom Kučera übernimmt in seinem letzten Studienjahr am Abraham-Geiger-Kolleg von Rabbiner Walter Rothschild die Betreuung von Beth Shalom.

Mai 2005: Gründung von Arzenu Deutschland als Bund progressiver Zionisten; Beth Shalom tritt der Organisation bei.

14. September 2006: Rabbiner Tom Kučera wird als einer der ersten drei in Deutschland nach der Schoa ausgebildeten Rabbiner in Dresden vom Abraham-Geiger-Kolleg ordiniert und übernimmt in Vollzeit die rabbinische Leitung von Beth Shalom.

4. und 5. November 2006: Rabbiner Tom Kučera wird in einem Schabbatgottesdienst und in einer öffentlichen Feier in sein Amt eingeführt.

7. November 2008: Im Rahmen eines Gedenkgottesdienstes zum 70. Jahrestag der Reichspogromnacht im Jüdischen Museum München gibt Beth Shalom bekannt, dass sich Stararchitekt Daniel Libeskind (New York) bereit erklärt hat, für die liberale Gemeinde in München eine Synagoge zu entwerfen.

15. Oktober 2009: Nina und Daniel Libeskind besichtigen das Grundstück Am Gries, das die Landeshauptstadt München als möglichen Standort für eine Synagoge für Beth Shalom angeboten hat.

14. und 15. Mai 2010: Im Rahmen des Ökumenischen Kirchentags in München führt Beth Shalom Schabbat-Gottesdienste mit Kantorin Mini Schäfer und dem Gemeindechor unter Leitung von Beth Gahbler sowie mit dem Sänger Danny Maseng durch.

24. September 2010: Ein durch Unachtsamkeit in der Küche ausgelöster Schwelbrand beschädigt die Gemeinderäume schwer, Menschen kommen glücklicherweise nicht zu Schaden. In einer überwältigenden Welle an Solidarität bekommt Beth Shalom aus der deutschen und internationalen progressiven Bewegung, vom Zentralrat der Juden in Deutschland, von Religionsgemeinschaften und Münchner Bürgern finanzielle Unterstützung, sodass die Räume wieder hergestellt werden können. Die erste Spende kommt von einer muslimischen Gemeinde.

21. November 2010: Beth Shalom beteiligt sich als erste jüdische Gemeinde aus Deutschland am internationalen Mitzvah Day; Gemeindemitglieder besuchen Senioren im jüdischen Altersheim und kochen für die Aids-Hilfe.

22. Januar 2011: Beim ersten Familien-Schacharit erhält Beth Shalom durch Vermittlung von Professor Ralph Selig (New York) eine weitere, insgesamt die dritte, Tora-Rolle von der Gemeinde Habonim in New York.

4. bis 6. März 2011: Beth Shalom ist Gastgeber der Jahresversammlung der Europäischen Union für progressives Judentum (EUPJ).

4. Mai 2011: Daniel Libeskind präsentiert seinen Entwurf einer liberalen Synagoge für den Standort am Grieß den Gemeindemitgliedern von Beth Shalom und anschließend im Jüdischen Museum München der Öffentlichkeit. Die Umsetzung des ehrgeizigen Projektes wird durch die neu gegründete Stiftung Synagoge Beth Shalom unterstützt.

Juni 2011: Beth Shalom zieht in größere Räume in Mittersendling um.

20. Juli 2011: Anlässlich des 98. Geburtstags von Schalom Ben-Chorin bringen Chaverim mit Unterstützung von Beth Shalom eine Gedenktafel an seinem Geburtshaus an.

11. Dezember 2011: Mit einem festlichen Mizwa-Gottesdienst feiert Beth Shalom unter großer Anteilnahme der Öffentlichkeit den Einzug in die neuen Räume. Auf der Gästeliste stehen u.a. Christine Strobl, 2. Bürgermeisterin der Landeshauptstadt München, Dr. h.c. Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Leslie Bergman, Präsident der European Union for Progressive Judaism, Dr. Heiner Olmer, Vizepräsident des Landesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern, und Tibor Shalev Schlosser, Generalkonsul des Staates Israel.

9. Juni 2013: Gedenkgottesdienst zum 75. Jahrestag der Zerstörung der Münchner Hauptsynagoge im Künstlerhaus München.

19. bis 21. Juli 2013: Zum 100. Geburtstag von Schalom Ben-Chorin veranstaltet Beth Shalom einen Kabbalat-Schabbat- und einen Schacharit-Gottesdienst mit Rabbiner Tovia Ben-Chorin und beteiligt sich an einer Veranstaltung zu Ehren des Religionsphilosophen im Jüdischen Gemeindezentrum am St.-Jakobsplatz in München.

Januar 2014: Nikola David wird in Teilzeit hauptamtlicher Kantor von Beth Shalom.

27. April 2014: Eine Gedenkstunde zum Jom ha-Schoa ist die erste Veranstaltung, die von den beiden Münchner Gemeinden gemeinsam in der Synagoge Ohel Jakob am St.-Jakobs-Platz in München durchgeführt wird.

1995 bis Februar 2015: In der Gemeinde Beth Shalom wurden 53 Kinder (26 Jungen und 17 Mädchen) geboren, 32 Mädchen und Jungen wurden als Bat- oder Bar-Mizwa erstmals zur Tora aufgerufen. 16 Gemeindemitglieder hat Beth Shalom zu Grabe getragen. Drei Mitglieder der Gemeinde – Dr. Walter Homolka, Lea Mühlstein und Adrian Schell – wurden Rabbiner. Beth Shalom stellte mit Lauren Rid die Vizepräsidentin der European Union for progressive Judaism und mit Jan Mühlstein den Vorsitzenden der Union progressiver Juden in Deutschland.

22. März 2015: Die Liberale jüdische Gemeinde München Beth Shalom feiert ihren 20. Geburtstag im Hubert-Burda-Saal der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern am St.-Jakobs-Platz in München.